Im Stehen arbeiten – Vorteile, Regelungen und Tipps

Zahlreiche Österreicher arbeiten größtenteils im Sitzen. Tagein, tagaus verbringen sie am Schreibtisch – sei es im Büro oder im Homeoffice. Die Folgen sind für viele fatal. Beispielsweise gehen schmerzhafte Muskelverspannungen, schwere Beine und ein erhöhtes Risiko für Adipositas und Herzkreislauferkrankungen mit einem Lifestyle im Sitzen einher. Bewegung ist als Ausgleich unabdingbar. Gleichzeitig können Arbeitnehmer Abwechslung in den Berufsalltag bringen und ihren Körper mehr fordern, indem sie nicht die ganze Zeit sitzen, sondern zwischendurch stehen. Dafür brauchen sie aber einen entsprechend eingerichteten Arbeitsplatz.

Einfach mal hinstellen – das sind die Vorteile

Tatsächlich ist auch langes Stehen nicht besonders gesund und kann zu ähnlichen Problemen wie dauerhaftes Sitzen führen. Arbeitnehmer profitieren vielmehr von dem beständigen Wechsel zwischen Sitzen und Stehen, weswegen ein höhenverstellbarer Schreibtisch optimal ist.

Einfache Routineaufgaben können dann in aufrechter Position stehend erledigt werden. Wenn tiefe Konzentration gefragt ist, setzt man sich hingegen hin und kann sich so in aller Ruhe in die Sachlage vertiefen. Die Veränderung der Körperhaltung sorgt dafür, dass verschiedene Muskeln beansprucht werden, sie ersetzt aber keine echte Bewegung.

Arbeitnehmer sollten ihrer Gesundheit zuliebe zusätzlich dafür sorgen, dass sie ihren Körper in Schwung bringen und jeden Tag Meter machen. Keine Angst – schweißtreibender Leistungssport ist nicht notwendig! Moderate Ausdauerübungen genügen. Ein kleiner Spaziergang gelegentlich kann bereits Wunder wirken. Auch Fahrradfahren, Schwimmen oder Walken sind ideal.

Ergonomischer Arbeitsplatz – das sind die Pflichten des Arbeitgebers

Arbeitgeber sind in Österreich laut Bildschirmarbeitsverordnung verpflichtet, Mitarbeitern einen ergonomischen Bildschirmarbeitsplatz zur Verfügung zu stellen. Stehtische werden in den geltenden Vorschriften nicht erwähnt.

  • Der Bürostuhl soll verstellbar sein, sodass er an die Bedürfnisse des Arbeitnehmers angepasst werden kann.
  • Der Bürostuhl muss zudem über Rollen oder Gleiter verfügen und unbedingt kippsicher sein.
  • Der Arbeitstisch muss eine große, nicht reflektierende Fläche bieten.
  • Unter dem Tisch sollte ausreichend Beinfreiheit vorhanden sein. Außerdem sollte es möglich sein, mit dem Stuhl darunter zu rangieren.
  • Optimalerweise ist der Tisch höhenverstellbar. Wenn das nicht der Fall ist, muss der Arbeitgeber einen Fußhocker anbieten.

Von Stehtischen und dergleichen ist in der Bildschirmarbeitsverordnung nicht die Rede, allerdings steht dem Arbeitnehmer nach 50 Minuten durchgängiger Bildschirmarbeit ein Tätigkeitswechsel oder eine Pause von 10 Minuten zu. Diese 10 Minuten kann er nutzen, um sich die Beine zu vertreten, aufzustehen und sich zu strecken.

Mit dem Arbeitgeber sprechen und Vorteile aufzählen

Wer im Stehen arbeiten möchte, hat also keinen direkten gesetzlichen Anspruch darauf. Es kann aber nicht schaden, trotzdem mit dem Arbeitgeber über das Thema zu reden. Der sollte schließlich theoretisch daran interessiert sein, dass seine Mitarbeiter gesund und zufrieden bleiben, denn die gesundheitlichen Folgen von langem Sitzen können durchaus zu Arbeitsausfällen führen.

Gleichzeitig legen immer mehr Arbeitgeber Wert auf eine gute Mitarbeiterbindung. Aufgrund des vorherrschenden Fachkräftemangels ist es für viele Unternehmen nämlich gar nicht mehr so leicht, vakante Stellen zeitnah zu besetzen. Wer sich in das Gespräch wagt, sollte ganz klar die Vorteile aufzählen. Dazu gehören mehr Gesundheit, mehr Zufriedenheit und – für den Arbeitgeber besonders interessant – eine bessere Produktivität!

Im Homeoffice können Sie Ihren Arbeitsplatz natürlich selbst konzipieren und so für einen Stehplatz sorgen. Höhenverstellbare Schreibtische gibt es mittlerweile in vielen Möbelgeschäften zu kaufen, darunter sind sogar Modelle, die per Knopfdruck elektronisch hoch- und herunterfahren. Andere verfügen über eine manuelle Kurbel und sind dementsprechend günstiger. Bis zu 300 Euro der Kosten können außerdem jährlich von der Steuer abgesetzt werden. Manchmal zahlt der Arbeitgeber auch einen Kostenersatz für die Möbel im Homeoffice.

Richtig stehen – so funktioniert es

Damit das Arbeiten im Stehen auch wirklich den gewünschten Effekt hat, sollten einige Aspekte beachtet werden:

  • Die richtige Höhe finden: Ein stufenlos verstellbarer Schreibtisch ist ideal, da er perfekt an die eigene Körpergröße angepasst werden kann. Sorgen Sie dafür, dass Ihre Ellenbogen im 90-Grad-Winkel ruhen können.
  • Bequemes Schuhwerk tragen: Besonders wichtig sind passende Schuhe mit flacher Sohle. Absätze eignen sich nicht zum langen Stehen – das gilt auch für Block- und Keilabsätze! Sie fördern eine unnatürliche Körperhaltung. Besser sind Sneakers, Halbschuhe, Slipper, Ballerinas und andere flache Schuhe.
  • Haltung verändern: Achten Sie darauf, nicht die ganze Zeit in der gleichen Haltung zu verharren. So verspannen sich Ihre Muskeln nur. Bewegen Sie sich, treten Sie von einem Fuß auf den anderen oder verlagern Sie das Gewicht ab und zu auf das andere Bein. Sie können sich auch zwischendurch strecken und so Ihre Arme und Ihren Nacken ein wenig entlasten.
  • Federnder Untergrund: Parkett oder Laminat sind nicht wirklich geeignet. Es gibt spezielle Anti-Ermüdungsmatten, die für langes Arbeiten im Stehen konzipiert sind und die mit ihrem federnden Untergrund einen Bewegungsanreiz setzen.
  • Positionswechsel: Genauso, wie Sie nicht zu lange sitzen sollten, sollten Sie nicht stundenlang stehen. Gönnen Sie Ihrem Körper Pausen und setzen Sie sich zwischendurch immer wieder hin.
  • Den passenden Moment finden: Manche Menschen können sich im Stehen nicht so gut konzentrieren. Mit der Zeit finden Sie aber schnell einen Rhythmus und wissen bald, bei welchen Tätigkeiten Sie gut stehen können und bei welchen Sie sich besser hinsetzen. Ein Telefonat lässt sich zum Beispiel häufig auch gut im Stehen führen.

Quellen:

 

 

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Verfasst von Redaktion

Roswitha ist bekannt für ihre Leidenschaft für einen gesunden Lebensstil und ihre Fähigkeit, andere zu motivieren und zu inspirieren, sich aktiv um ihre Gesundheit zu kümmern. Durch ihre Arbeit als Autorin und Chefredakteurin trägt sie dazu bei, das Bewusstsein für Gesundheitsfragen zu stärken und Menschen dabei zu unterstützen, ein ausgewogenes Leben zu führen.