Wie sorge ich für eine gute Gesundheit meiner Mitarbeiter:innen?

Gute Mitarbeiter:innen-Gesundheit entsteht nicht nur durch Obstkörbe oder Fitnesszuschüsse, sondern vor allem durch klare Arbeitsbedingungen, psychologische Sicherheit und eine Feedback-, Fehler- und Lobkultur, die Stress reduziert und Motivation stärkt.

Tipps für die Gesundheit & Motivation – Mitarbeiter:innen

Hebel Empfehlungen & Maßnahmen Woran du merkst, dass es wirkt
Arbeitslast & Prioritäten Wöchentliche Priorisierung, klare Stop-Liste, realistische Deadlines Weniger Überstunden, weniger „Dauerfeuer“, bessere Planbarkeit
Feedbackkultur Kurze, regelmäßige 1:1s, Feedback-Regeln, „Feedforward“ statt Schuldzuweisung Probleme werden früher angesprochen, weniger Konflikte eskalieren
Fehlerkultur Blameless Postmortems, Lern-Checks, klare Trennung: Fehler vs. Fahrlässigkeit Mehr Meldungen von Risiken/Near Misses, weniger Wiederholungsfehler
Lob & Anerkennung Sofort-Lob im Alltag, öffentliches Dankeschön + konkretes „Wofür“ Mehr Engagement, weniger Zynismus, stärkere Bindung
Psychologische Sicherheit „Fragen erlaubt“-Norm, Meeting-Regeln, Führungskräfte zeigen Verletzlichkeit Mehr Ideen, mehr Rückfragen, weniger stilles Wegducken
Erholung Pausen-Fenster, Meeting-freie Zeiten, Urlaub wirklich respektieren Weniger Erschöpfung, stabilere Leistung über Monate
Gesundheitsangebote BGM, EAP, Ergonomie, Bewegung, Prävention Nutzung steigt, Fehlzeiten sinken mittelfristig
Fairness & Klarheit Transparente Rollen, Entwicklungspfade, gerechte Verteilung von „Drecksarbeit“ Weniger Frust, weniger „Dienst nach Vorschrift“

Warum Gesundheit im Unternehmen oft an Kultur scheitert

Viele Firmen investieren in Tools, Benefits oder Workshops – und wundern sich, dass die Belastung trotzdem hoch bleibt. Der Grund ist häufig banal: Die Kultur frisst die Maßnahmen.

Wenn Menschen Angst haben, Fehler anzusprechen, wenn Feedback nur in der Jahresbeurteilung passiert oder Lob als „Zuckerbrot“ wirkt, entsteht Stress – selbst bei guten Programmen. Gesundheit wird dann zur Privatsache, statt Teil des Systems zu sein. Eine gute Feedbackkultur und Fehlerkultur in Unternehmen hat viele Vorteile, wie auf Branchenblatt beschrieben – und Team-Coaching sowie Führungskräfte Coaching hilft dabei, dieses auf und auszubauen.

Frage: Was ist „gute Gesundheit“ im Arbeitskontext überhaupt?

Antwort: Gesundheit meint hier zwei Ebenen:

  • Körperlich: ergonomische Arbeit, ausreichende Pausen, sichere Arbeitsbedingungen.
  • Psychisch: überschaubare Belastung, Kontrolle/Autonomie, Zugehörigkeit, Sinn, fairer Umgang, psychologische Sicherheit.

Die zweite Ebene wird in modernen Arbeitswelten immer wichtiger: Wer dauerhaft unter Druck steht, kann noch so gesund essen – die Belastung bleibt im Nervensystem.

Frage: Was ist die „größte Stellschraube“, die ich als Führungskraft sofort drehen kann?

Antwort: Prioritäten klarziehen und Feedback/Fehler/Lob in den Alltag holen. Das kostet kaum Budget, aber verändert Stress und Motivation in Wochen.

So baust du eine gesunde Feedbackkultur

Regelmäßige 1:1s: lieber kurz und oft als selten und groß

Ein gutes 1:1 ist Gesundheitsprävention: Es verhindert, dass Probleme „gären“. Ideal sind 20–30 Minuten alle 1–2 Wochen (je nach Team). Drei Fragen reichen:

  • Was läuft gut? (Ressourcen, Energie, Erfolge)
  • Was blockiert dich? (Hürden, Konflikte, Überlastung)
  • Was brauchst du von mir? (Entscheidungen, Priorisierung, Schutz, Feedback)

Feedback-Regeln, die Stress senken

Damit Feedback nicht als Angriff empfunden wird, hilft ein klares System:

  • Kontext + Beobachtung + Wirkung + Wunsch: „In Meeting X (Kontext) hast du Y gesagt (Beobachtung). Das führte bei mir zu Z (Wirkung). Nächstes Mal wünsche ich mir A (Wunsch).“
  • Feedforward: mehr Zukunft als Vergangenheit: „Wie machen wir’s nächstes Mal besser?“
  • Timing: möglichst nah am Ereignis, aber nicht im Affekt.
  • Privat statt öffentlich: Korrekturgespräche nie vor Publikum.

Feedback nach oben ermöglichen – ohne Angst vor schlechten Konsequenzen

Die stärkste Gesundheitsbremse ist, wenn Mitarbeiter:innen denken: „Wenn ich was sage, hab ich ein Problem.“

Ein einfacher Hebel: In jedem Teammeeting die Frage: „Was soll ich als Führungskraft diese Woche anders machen?“ Und dann: wirklich etwas ändern – sichtbar.

Fehlerkultur: So wird aus Angst Lernen

1) Trenne klar: Fehler vs. Fahrlässigkeit

Eine gute Fehlerkultur ist nicht „alles ist egal“. Sie unterscheidet:

  • Menschlicher Fehler: passiert; wir verbessern System und Checklisten.
  • Komplexitätsfehler: viele Faktoren; wir lernen und bauen Puffer.
  • Fahrlässigkeit/Regelbruch: braucht Konsequenzen.

Diese Trennung ist wichtig: Nur so entsteht Sicherheit, ohne Verantwortung zu verwässern.

2) „Blameless Postmortem“: 30 Minuten, die dir Monate sparen

Wenn etwas schiefgeht (Projekt, Kunde, Qualität, IT, Produktion): kein „Wer war’s?“, sondern:

  1. Was ist passiert (Timeline)?
  2. Welche Bedingungen haben es ermöglicht (System)?
  3. Welche Frühwarnsignale gab es (Near Misses)?
  4. Welche 2–3 Maßnahmen verhindern Wiederholung?
  5. Wer macht was bis wann?

Das reduziert Stress massiv, weil Menschen nicht mehr vertuschen müssen.

3) Fehler sichtbar machen – ohne Gesichtsverlust

Ein gesundes Team hat einen Satz, der immer gilt: „Danke, dass du’s sagst.“ Wer Probleme anspricht, wird belohnt – nicht abgestraft. Das ist nicht nett, das ist Risiko-Management.

Lob im Firmenalltag: das unterschätzte Gesundheits-Tool

1) Lob muss konkret sein, sonst wirkt es nicht

„Gut gemacht“ ist nett, aber schwach. Stark ist:

  • Wofür genau? (Verhalten, Ergebnis, Haltung)
  • Welche Wirkung hatte das? (für Team, Kund:innen, Qualität)
  • Warum ist das wichtig? (Werte, Ziele)

2) Das 5:1-Prinzip als Orientierung

Teams halten Druck besser aus, wenn sie mehr positive als negative Rückmeldungen erleben. Als Faustregel hilft: deutlich mehr Anerkennung als Korrektur. Das heißt nicht „alles loben“, sondern gute Arbeit sichtbar machen.

3) Anerkennung fair verteilen

Gesundheit leidet, wenn immer die Lauten gelobt werden. Baue Routinen:

Arbeitsbedingungen: ohne diese Basis hilft Kultur allein nicht

1) Arbeitslast steuern: Priorität ist Gesundheitsschutz

Wenn alles wichtig ist, ist gar nichts wichtig. Gesundheitsfreundliche Führung heißt: bewusst entscheiden, was nicht gemacht wird. Ein wirksames Ritual: wöchentliche „Stop-Liste“ (2–3 Aufgaben, die pausieren oder entfallen).

2) Erholung strukturieren: Pausen und Urlaub sind keine „Belohnung“

Teams brauchen planbare Erholung. Drei einfache Regeln:

  • Meeting-freie Blöcke (z. B. 2 Nachmittage/Woche).
  • Pausen-Standard (z. B. 10 Minuten nach 90 Minuten Fokusarbeit).
  • Urlaub respektieren: keine „kurz mal“-Anfragen, klare Vertretung.

3) Ergonomie und Sicherheit: Basics professionell lösen

Gerade bei Bildschirmarbeit sind ergonomische Stühle, Monitorhöhe, Beleuchtung und Pausen wichtig. In körperlichen Jobs zählen zusätzlich PSA, sichere Abläufe, Unterweisungen und Meldesysteme für Beinaheunfälle.

Programme, die  in vielen Firmen funktionieren

1) BGM Betriebliches Gesundheitsmanagement mit echten Kennzahlen

BGM wirkt dann, wenn es nicht als HR-Projekt läuft, sondern als Führungsinstrument: Fehlzeiten, Fluktuation, Überstunden, Unfallzahlen, psychische Belastungen (Befragung) und Maßnahmen-Tracking.

2) EAP Employee Assistance Program: niedrigschwellige Hilfe

Ein EAP bietet vertrauliche Beratung (psychisch, rechtlich, sozial) und kann in Krisen die Hemmschwelle senken. Wichtig ist, dass es wirklich anonym ist und aktiv kommuniziert wird.

3) Führungskräfte-Schulung: Gesprächsführung statt PowerPoint

Wenn du nur eine Schulung finanzieren willst: Gesprächsführung (Feedback, Konflikte, Überlastung, Rückkehrgespräche nach Krankheit). Das zahlt direkt auf Gesundheit ein. Für das Thema Mitarbeiterführung gibt es beispielsweise beim WIFI viele Kurse und Angebote.

FAQ

Was ist der wichtigste Schritt für bessere Mitarbeiter:innen-Gesundheit?

Prioritäten klären und psychologische Sicherheit schaffen: regelmäßige 1:1s, echtes Feedback, blameless Lernen aus Fehlern und sichtbare Anerkennung. Das senkt Stress und verhindert stille Überlastung.

Wie erkenne ich früh, dass jemand überlastet ist?

Typisch sind sinkende Qualität, Gereiztheit, Rückzug, mehr Fehler, häufige kurze Krankenstände, „immer erreichbar“ sein oder auffällig viele Überstunden. Früh hilft ein 1:1 mit der Frage: „Was würde dir sofort 20% Druck nehmen?“ Ein gutes Teamcoaching hilft dabei, solche Themen aufzuzeigen und sollte regelmäßig durchgeführt werden.

Wie führe ich eine gute Fehlerkultur ein, ohne dass Verantwortung leidet?

Indem du klar zwischen menschlichem Fehler/Komplexität und Fahrlässigkeit unterscheidest. Fehler werden genutzt, um Systeme zu verbessern; Regelbruch hat Konsequenzen.

Wie lobe ich richtig, ohne dass es künstlich wirkt?

Konkret, zeitnah, fair: „Was genau war gut, welche Wirkung hatte es, warum ist das wichtig?“ Das ist ehrlicher als generisches Lob.

Was mache ich, wenn Mitarbeitende kein Feedback geben wollen?

Starte klein und sicher: anonyme Mini-Checks, kurze Skalen („0–10 Stress?“), und zeige schnell sichtbare Verbesserungen. Vertrauen entsteht durch Taten, nicht durch Appelle.

Wie viel bringt ein Obstkorb oder Fitnesszuschuss wirklich?

Als Ergänzung okay – aber wenn Arbeitslast, Führung oder Kultur toxisch sind, wirkt es wie Kosmetik. Erst das System stabilisieren, dann Benefits ausbauen.

Welche Rolle spielt Homeoffice für Gesundheit?

Homeoffice kann Stress senken (Pendeln, Fokus), kann aber auch Grenzen verwischen. Entscheidend sind klare Regeln: Erreichbarkeit, Meetingdichte, Pausen, ergonomischer Arbeitsplatz.

Was ist eine gute Routine für Feedback und Lob im Teamalltag?

Alle 1–2 Wochen ein 1:1, wöchentliches Team-Check-in („Was läuft / was blockiert / was brauchen wir?“) und im Meetingstart 60 Sekunden Anerkennung („Win der Woche“).

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Verfasst von Redaktion

Roswitha ist bekannt für ihre Leidenschaft für einen gesunden Lebensstil und ihre Fähigkeit, andere zu motivieren und zu inspirieren, sich aktiv um ihre Gesundheit zu kümmern. Durch ihre Arbeit als Autorin und Chefredakteurin trägt sie dazu bei, das Bewusstsein für Gesundheitsfragen zu stärken und Menschen dabei zu unterstützen, ein ausgewogenes Leben zu führen.